3.4.2 Hierarchierelation (in Bearbeitung)

3.4.2 Hierarchierelation (in Bearbeitung)

Definition

Die Hierarchierelation stellt ein Verhältnis der Überordnung beziehungsweise Unterordnung zwischen Begriffen dar. Übergeordnete Begriffe (Oberbegriffe) schließen untergeordnete Begriffe (Unterbegriffe) in Bedeutung und Umfang vollständig ein. Hierarchische Beziehungen geben den Kontext eines Begriffes wieder und tragen dadurch auch zur Klärung der Bedeutung eines Begriffes bei.

2.23 hierarchical relationship

relationship between a pair of concepts (2.11) of which one has a scope falling completely within the scope of the other

cf. broader term, narrower term

Terminologie

de: Hierarchierelation UF Hierarchiebeziehung
en: hierarchical relationship UF hierarchical relation

BT Broader term
NT Narrower term

Erläuterung

Hierarchierelationen können nur zwischen → Begriffen hergestellt werden. Überordnungen beziehungsweise Unterordnungen zwischen → Begriffsgruppen (Kategorien) und → Node Label gehören nicht zu den Hierarchierelationen.

Die Hierarchierelation umfasst Beziehungen zwischen Begriffen, die zueinander im Verhältnis einer

  • Generalisierung/Spezialisierung stehen, wie „Mühle” und „Windmühle”,

  • festen Teil-/Ganzes-Beziehung stehen, wie „Windmühlenflügel” und „Windmühle”, oder

  • eines konkreten Beispiels zum Allgemeinbegriff stehen, wie „Britzer Mühle” und „Galerieholländerwindmühle”.

Entscheidend ist bei jeder Hierarchierelation, dass der Oberbegriff immer und ausnahmslos den Unterbegriff vollständig umfasst. Wenn diese Bedingung erfüllt ist, kann die Relation im Retrieval sinnvoll auf die Suche nach Unterbegriffen ausgeweitet werden.

Aus dieser Bedingung leitet sich notwendig ab, dass hierarchisch verbundene Begriffe immer derselben Fundamentalkategorie (Objekt, Akteur, Ereignis etc.) angehören. Ein Begriff für einen Objekttyp wie Mühle kann zum Beispiel nicht Oberbegriff für eine Personengruppe wie Müller oder eine Disziplin wie Mühlenkunde sein.

Hierarchien

  • sollten so weit wie möglich lückenlos sein, das heißt es sollte möglichst keine (größeren) Sprünge in den Hierarchien geben.

HINWEIS
Das Grundwort einer zusammengesetzten Bezeichnung (zum Beispiel „Mühle” in „Windmühle”) ist oft ein Kandidat für den Oberbegriff.

Welche Begriffe können hierarchisch verknüpft werden?

Wenn ein spezifischerer Begriff vollständig in den Bedeutungsumfang des allgemeineren Begriffes fällt, können die Begriffe hierarchisch verknüpft werden. Münze zum Beispiel schließt Goldmünze ein, denn jede Goldmünze ist eine Art Münze (-> All-and-some-Test). Wenn nach Münzen gesucht wird, sollen auch Goldmünzen in der Ergebnismenge zu finden sein.

BEISPIEL
Münze
NT Goldmünze

Da nur Begriffe derselben Fundamentalkategorie hierarchisch miteinander verbunden werden können, ist das folgende Beispiel ein Gegenbeispiel.

GEGENBEISPIEL
Münze
NT Münzstätte

Beispiel für eine nicht standardkonforme Hierarchie

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Abb. 1: Auszug aus Parlamentsthesaurus [2026]

Abb. 1 zeigt einen Ausschnitt des Parlamentsthesaurus (Parthes) des Deutschen Bundestages. Das Schlagwort „Pferd” hat den direkten Oberbegriff „Säugetier”, dem wiederum der Begriff „Tier” übergeordnet ist. Diese Hierarchie ist logisch richtig und transitiv, denn jedes Pferd ist ein Säugetier und jedes Säugetier ist ein Tier. Die Schlussfolgerung „Jedes Pferd ist ein Tier” trifft zu. Für den nächsten übergeordneten Begriff „Tierkunde” gilt das aber nicht mehr. Ein Tier ist keine Tierkunde genauso wenig wie ein Pferd, denn die Begriffe gehören unterschiedlichen Fundamentalkategorien an und können daher nicht transitiv sein: Ein Tier ist ein Lebewesen und Tierkunde ist eine wissenschaftliche Disziplin.

Polyhierarchien

Eine Polyhierarchie ist eine Hierarchiebeziehung, bei der ein Unterbegriff mehr als einen direkten Oberbegriff hat. Das ist dann der Fall, wenn der Unterbegriff Merkmale von mehr als einem Oberbegriff erbt. Ein Klavier zum Beispiel ist sowohl (nach Art der Tonerzeugung) ein Saiteninstrument wie auch (nach Art der Bespielung) ein Tasteninstrument:

BEISPIEL
Saiteninstrument
NT Klavier
Tasteninstrument
NT Klavier

Polyhierarchische Verknüpfungen erleichtern den Zugang zum gesuchten Schlagwort. Eine Suche nach „Klavier” als Tasteninstrument führt ebenso zum Erfolg wie die Suche nach „Klavier” als Saiteninstrument.

Für polyhierarchische Beziehungen gelten dieselben Regeln und Bedingungen wie für monohierarchische Beziehungen.

Arten von Hierarchierelationen

Die beschriebene allgemeine Hierarchierelation kann auch weiter differenziert werden, um präzisere Suchen zu ermöglichen. Es werden standardmäßig drei spezifische Arten von Hierarchierelationen unterschieden:

  1. Generische Relation

  2. Partitive Relation

  3. Instanzrelation

HINWEIS
In der Praxis unterscheiden viele Thesauri nicht zwischen diesen Hierarchietypen, sondern benutzen nur die undifferenzierte Hierarchierelation.

Vokabularverwaltung

In xTree können sowohl die allgemeine, undifferenzierte wie auch die differenzierten Hierarchierelationen gewählt werden. Allgemeine und differenzierte Relationen sollten aber nicht in einem Vokabular nebeneinander benutzt werden.

Information Retrieval

Explode

Zusammenfassung

Hierarchierelationen

  • sind Beziehungen zwischen Begriffen

  • umfassen generische, partitive und instanzielle Beziehungen sowie polyhierarschische Verknüpungen

  • sind immer allgemeingültige, intrinsische Relationen

  • werden nur zwischen Begriffen hergestellt, die derselben Fundamentalkategorie angehören

  • sollten so weit wie möglich eine lückenlose Hierarchieleiter bilden

  • können im Retrieval für eine Suchausweitung über die Hierarchieleiter ausgewertet werden

Siehe auch

https://digicult.atlassian.net/wiki/x/FQACtw

https://digicult.atlassian.net/wiki/spaces/XTREE/pages/3293151285

https://digicult.atlassian.net/wiki/spaces/XTREE/pages/3292692561

Quellen

[DIN 32 705:1987, 3.3.2.1]: „Eine hierarchische Beziehung besteht zwischen zwei Begriffen dann, wenn einer der Begriffe den anderen im Begriffsumfang umfaßt.”

ISO 25964-1:2011, 10.2: „Each of these [types of hierarchical relationships] leads to hierarchies that are amenable to a logical test through reference to the types of concept involved […]. Every subordinate concept should belong to the same inherent category as its superordinate concept, i.e. both the broader and narrower term should represent a thing, or an action, or a property, etc.”