3.1.3.2 Node Label

3.1.3.2 Node Label

Definition

Ein Node Label ist in diesem Kontext ein Strukturelement zur Gruppierung von Geschwisterbegriffen nach bestimmten Merkmalen. Eine Gruppe von Geschwisterbegriffen bildet eine Begriffsreihe. Als Strukturelement werden Node Label nicht zur Indexierung verwendet.

Auszüge aus ISO 25964-1:2011

2.38 node label

label inserted into a hierarchical or classified display to show how the terms (2.61) have been arranged

A node label is neither a preferred term nor a non-preferred term. It contains one of two different types of information:

  • a) the name of a facet to which following terms belong; or

  • b) the attribute or characteristic of division by which an array of sibling concepts has been sorted or grouped.

3.8 characteristic of division

attribute by which a concept (3.17) can be subdivided into an array (3.1) of narrower concepts (3.17) each having a distinct value of that attribute
cf. node label (3.52)

Terminologie

de: Node Label; Stützterm; Leitbegriff.
en: node label

de: Begriffsreihe; gleichgeordnete Begriffe
en: array

de: Unterteilungsmerkmal
en: characteristic of division

Der englische Ausdruck „Node Label" wird hier verwendet, weil es keine standardisierte deutsche Benennung gibt. In der Thesauruspraxis werden Nodel Label auch „Leitbegriffe” oder „Stützterme” genannt. Wörtlich übersetzt würden sie auf Deutsch „Knotenbezeichnung” heißen.

Typografische Darstellung

Es gibt unterschiedliche Empfehlungen zur typografischen Darstellung von Node Label:

  1. kursiv in runden Klammern: (Node Label) (ISO 26954-1:2011)

  2. Standardschrift in eckigen Klammern: [Node Label] (Z39.19:2005/2010)

  3. Standardschrift in spitzen Klammern <Node Label>, häufig in der Praxis

HINWEIS
Der internationale Standard empfiehlt Variante 1. Variante 3 ist nicht zu empfehlen, weil besondere Vorkehrungen nötig sind, damit diese im Web-Browser angezeigt werden können und nicht fälschlich als Elemente der Auszeichnungssprache HTML interpretiert werden.

An Suchoberflächen werden Node Label in der → alphabetischen Sicht des Vokabulars gewöhnlich nicht angezeigt. Aber auch in der → hierarchischen Sicht müssen sie nicht unbedingt dargestellt werden.

Erläuterung

Ein Node Label dient der Gruppierung von Geschwisterbegriffen unter bestimmten Aspekten (auch: Dimensionen). Geschwisterbegriffe haben denselben direkten Oberbegriff gemeinsam und werden auch „gleichgeordnete Begriffe” genannt. Sie bilden zusammen eine sogenannte „Begriffsreihe”. Zum Beispiel können Tiere unter dem Gesichtspunkt der Rasse, ihrer Verwendung, des Geschlechts etc. betrachtet werden. Da in der Regel mehrere Merkmale zur Untergliederung herangezogen werden, spricht man auch von polydimensionaler Gliederung.

Node Label bezeichnen das Unterteilungsmerkmal, nach dem die Geschwisterbegriffe geordnet werden. Node Label können selbst geschachtelt, das heißt einander übergeordnet beziehungsweise untergeordnet sein. Sie werden nicht zur Indexierung benutzt.

HINWEIS

  • Die Relation zwischen Node Label und Begriff ist keineHierarchierelation.

  • Ein Node Label hat keine Assoziationsrelationen.

  • Ein Node Label hat keine Relationen zu Kategorien.

Das Ziel einer Strukturierung von Begriffsreihen ist es,

  • Listen gleichgeordneter Begriffe (Geschwisterbegriffe) übersichtlicher zu machen und

  • die Unterteilungsgesichtspunkte (die Merkmale, die der Gliederung zu Grunde liegen) explizit auszudrücken.

Im Folgenden wird das Prinzip an Beispielen für MILCH und MÜHLE gezeigt.

BEISPIEL 1
Kuhmilch BT Milch
Vollmilch BT Milch

Abb. 1: Auszug aus ISO 25964-1, Figure 4 [2023-07-19]

In diesem Beispiel sind Kuhmilch und Vollmilch Geschwisterbegriffe, weil sie den direkt übergeordneten Begriff „Milch” gemeinsam haben. Zu einem Oberbegriff kann es viele gleichgeordnete Unterbegriffe geben.

Abb. 1 zeigt ein Beispiel für „milk” mit 14 Unterbegriffen. Alphabetisch sortiert ohne Node Label würde die Liste im Deutschen so aussehen:

Büffelmilch; Fettarme Milch; Flüssigmilch; Gesüßte Kondensmilch; Homogenisierte Milch; Kuhmilch; Magermilch; Pasteurisierte Milch; Schafsmilch; Sterilisierte Milch; Trockenmilch; Ungesüßte Kondensmilch; Vollmilch; Ziegenmilch

Diese Liste wirkt auf den ersten Blick nicht sehr geordnet, obwohl alle Begriffe logische Unterbegriffe von „Milch” sind. Man nimmt schnell wahr, dass die Bestimmungswörter (das erste Wort eines Kompositums) die Begriffe unter verschiedenen Aspekten differenzieren. Diese Aspekte werden identifiziert, in Node Labeln ausgedrückt und die Hierarchie wird entsprechend neu strukturiert.

BEISPIEL 2
Windmühle BT Mühle
Getreidemühle BT Mühle

Die Begriffe WINDMÜHLE und GETREIDEMÜHLE haben den direkten Oberbegriff MÜHLE gemeinsam. Diese beiden Begriffe sind aber offensichtlich Differenzierungen von „Mühle” unter verschiedenen Aspekten (Merkmalsdimensionen): „Windmühle” enthält den Aspekt der Antriebsart, während „Getreidemühle” nach dem Rohstoff/Mahlgut differenziert ist. Die Unterteilungsmerkmale werden durch Node Label explizit dargestellt.

BEISPIEL 3
Mühle
(Mühle nach Antriebsart)
Windmühle
(Mühle nach Rohstoff)
Getreidemühle

Die Node Label sind in diesem Beispiel (Mühle nach Antriebsart) und (Mühle nach Rohstoff). „Windmühle” und „Getreidemühle” sind Unterbegriffe in einer → Generischen Relation zu „Mühle”.

Wann sollten Node Label in eine Hierarchie eingeführt werden?

Grundsätzlich ist dieses Strukturelement immer nützlich, um Geschwisterbegriffe in der Hierarchie nach unterschiedlichen Merkmalen zu untergliedern. Über ihre Ordnungsfunktion hinaus vermitteln Node Label auch Wissen über Eigenschaften der Begriffe, die sonst implizit blieben.

Die Einführung von Node Label ist zu empfehlen,

  1. wenn die Menge der Unterbegriffe unter einem gemeinsamen Oberbegriff eine lange Liste ergibt, die nicht mehr schnell zu überblicken ist. 30 Elemente sind in der Regel noch überschaubar, darüber hinaus wird ein schnelles Orientieren schwierig. Node Label dienen dann der „Portionierung” der Unterbegriffe.

  2. wenn eine Schnittstelle mit facettiertem Suchangebot genutzt werden soll. Node Label können dann als „Minifacetten” wie Filter für ein facettenbasiertes Retrieval eingesetzt werden.

  3. wenn die Informationen, die in den Node Label enthalten sind, aus wissenschaftlichen oder anderen inhaltlichen Gründen interessant sind.

Beispiele

Art & Architecture Thesaurus (AAT)

Abb. 2: Node Label im AAT [2023-07-17]

Elemente zur Gliederung von Geschwisterbegriffen nach Merkmal werden im AAT unter der Bezeichnung „guide terms” subsumiert und in Winkelklammern angezeigt. Abb. 2 zeigt den Gebrauch der guide terms am Beispiel von object genres. Die Untergliederung erfolgt nach Merkmalen wie zum Beispiel

Thesaurus AGROVOC

Abb. 3: Begriff ‘Pferd’ mit Unterbegriffen in AGROVOC [2023-07-15]

Im Thesaurus AGROVOC gibt es elf Unterbegriffe zum Deskriptor Pferd (siehe Abb. 3). Alle aufgelisteten Unterbegriffe entsprechen den Anforderungen an hierarchische Relationen und erfüllen den → All-and-some-Test. Dennoch irritiert die Liste dieser Geschwisterbegriffe auf den ersten Blick, weil die Unterbegriffe offensichtlich verschiedene Eigenschaften von Pferden ausdrücken:

  • Fohlen und Jährling machen eine Aussage über das Alter.

  • Hengst und Stute geben das Geschlecht wieder.

  • Pony impliziert die Größe.

  • Reitpferd und Rennpferd sagen etwas über die Nutzung.

Um die Liste übersichtlicher und informativer zu gestalten, werden Begriffe mit jeweils einem gemeinsamen Merkmal unter einem Node Label zusammengeführt.

Im Folgenden wird gezeigt, wie eine Strukturierung der AGROVOC-Begriffe im Vokabularmanagementsystem xTree aussieht.

Vokabularverwaltung

Abb. 4: Deskriptor "Pferd" mit Node Label in xTree [2023-07-17]

xTree unterstützt die Einrichtung und Darstellung von Node Label. Abb. 4 zeigt am Beispiel des Deskriptors „Pferd”, wie die Unterbegriffe aus dem AGROVOC-Thesaurus (Abb. 3) nach Merkmalen geordnet werden können.

Zwischen den Oberbegriff „Pferd” und die zu ordnenden Unterbegriffe wird das entsprechende Unterteilungsmerkmal als Node Label (in xTree symbolisiert durch „N”) eingefügt. Die 13 Geschwisterbegriffe sind in vier Reihen unterteilt worden, die Begriffe mit gemeinsamen Eigenschaften zusammenführen. Node Label werden in xTree kursiv in runden Klammern angezeigt.

Information Retrieval

Node Label werden nicht zur Indexierung verwendet.

HINWEIS
Erfassungssysteme sollten sicherstellen, dass Node Label nicht zur Indexierung verwendet werden können.

Node Label können aber dazu beitragen, die Qualität der Indexierung zu erhöhen. Sie können wie eine „Checkliste” verwendet werden, um zu prüfen, ob alle relevanten Aspekte des Objektes bei der Erschließung bedacht wurden.

Die Britzer Mühle in Berlin zum Beispiel ist eine Windmühle und eine Getreidemühle. Wenn diese Begriffe in einem Thesaurus nach Eigenschaften geordnet sind („nach Antriebsart” und „nach Rohstoff” wie in Beispiel 3 oben), lassen sich die geeigneten Deskriptoren leichter finden. Auch die Konsistenz der Erschließung kann durch diese „Checkliste” verbessert werden.

Im Retrieval sind Node Label für facettierte Informationssysteme besonders gut geeignet, denn sie können ebenso wie → Facetten an der Suchschnittstelle ausgewertet und zum schrittweisen Filtern von Ergebnissen eingesetzt werden.

Beispiel für die Filterfunktion aus dem kommerziellen Bereich

Ein Schuh zum Beispiel kann unter dem Aspekt seiner Farbe, des Materials, der Form und anderen Merkmalen gesehen und gesucht werden. Facetten sind also Merkmale eines Gegenstandes, jeweils aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet. Farbe und Material könnten Facetten für Schuhe sein, die konkreten Merkmale (Werte, Foci) wären dann schwarz, braun etc. für Farbe, und Leder, Lederimititat etc. für Material.

Zusammenfassung

  • Node Label sind Bezeichnungen für Strukturelemente, die nicht zur Indexierung verwendet werden.

  • Sie drücken die Kriterien aus, die zur Unterscheidung von Geschwisterbegriffen nach bestimmten Merkmalen herangezogen wurden.

  • Bei der Indexierung können sie zur Vollständigkeit der Beschreibung eines Objektes beitragen.

  • Im Retrieval können sie als manchmal sogenannte „Minifacetten” zum Filtern von Ergebnismengen benutzt werden.

Siehe auch

3.1.3.4 Facette

3.1.2 Kategorie/Begriffsgruppe (Gelesen)

5.1 Registerkarte "Grunddaten" (Im Aufbau)

Quellen

ANSI/NISO Z39.19-2005 (R2010): Node label A “dummy” term, often a phrase, that is not assigned to documents when indexing, but which is inserted into the hierarchical section of some controlled vocabularies to indicate the logical basis on which a class has been divided.

ANHANG

vocnet-UML-Modell mit Fokus auf Begriffsreihe

Abb. 6 zeigt rot umrandet die Klasse ThesaurusArray (Begriffsreihe) mit Relationen im vocnet-UML-Modell. ThesaurusArray ist eine Wiederverwendung der gleichnamigen Klasse im ISO-Modell. In xTree werden Begriffsreihen mit Hilfe von Node Label erzeugt.

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Abb. 6: vocnet-UML-Modell mit Fokus auf Node Label für eine Begriffsreihe