3.4.2.2 Partitive Relation (In Bearbeitung)
Definition
Die partitive Relation ist eine Hierarchierelation zwischen Allgemeinbegriffen, die ein Ganzes und seine konstitutiven Teile verbindet. Die Teile sind einzigartig für das Ganze. Die partitive Relation ist transitiv.
Auszug aus ISO 25964-1:2011
The hierarchical whole-part relationship covers a limited range of situations in which a part of an entity or system belongs uniquely to a particular possessing whole.
[S. 60, 10.2.3.1]
Terminologie
de: Partitive Relation UF Bestandsbeziehung; Teil-Ganzes-Beziehung; Ganzes-Teil-Beziehung
en: hierarchical whole-part relationship UF part-whole-relationship
KÜRZEL
BTP (für „broader term partitive”)
NTP (für „narrower Term partitive”)
Erläuterung
Die partitive Relation ist eine Beziehung zwischen einem übergeordneten Ganzen und einem Teil dieses Ganzen. Dabei ist der Teil immer und in jedem Kontext ein notwendiger Teil des Ganzen und gehört ausschließlich zu dieser Art Ganzes. Diese Relation gilt nur für einen eingeschränkten Anwendungsbereich.
Bereiche, in denen Teil-Ganzes-Beziehungen häufig vorkommen
Geografische Systeme
Wissenschaftsbereiche
Körper und Organe
Organisatorische Gliederungen
Physische Objekte und konstitutive Teile dieser Objekte
Ereignisse und Teile der Ereignisse
Werke und ihre Teile
Beispiele
Transitivität partitiver Relationen
Eine partitive Relation ist transitiv, wenn alle untergeordneten Begriffe in der Hierarchieleiter immer auch Teil der nächsthöheren übergeordneten Begriffe sind. Die Transitivität einer Relation ist eine wichtige Eigenschaft für Retrievalverfahren.
BEISPIEL
Windmühle
NTP Windmühlenflügel
Ähnlich dem All-and-some-Test lässt sich ein Test für die partitive Relation formulieren:
Alle X haben als Teil Y und
Nur X haben als Teil Y.
Der Test bestätigt für dieses Beispiel, dass es sich um eine partitive Relation handelt:
Alle Windmühlen haben Windmühlenflügel und
Nur Windmühlen haben Windmühlenflügel.
Beispiele für Teil-Ganzes-Beziehungen, die nicht partitiv sind
In der Praxis werden auch Begriffe in einer partitiven Relation miteinander verbunden, in denen der Teil nicht einzigartig für das Ganze ist.
BEISPIEL 1
Wassermühle
NTP Rad
Es ist richtig, dass alle Wassermühlen ein Rad als Antrieb haben. Es stimmt aber nicht, dass nur Wassermühlen Räder haben. Ein Rad kann Bestandteil eines Fahrzeugs sein, eines Bürostuhls oder eines Rollkoffers und vieler anderer Gegenstände. Der Begriff für den Teil in einer partitiven Hierarchierelation muss spezifisch für eine Wassermühle sein.
BEISPIEL 2
Wassermühle
NTP Mühlrad
Vokabularverwaltung
Information Retrieval
Die partitive Hierarchierelation ermöglicht eine präzise Suche nach einem spezifischen Teil eines Ganzen bei Indexierung und Retrieval. Wenn eine Relation die genannten logischen Bedingungen erfüllt, kann eine Suchausweitung über die Hierarchie (Explode) automatisch mit gutem Ergebnis durchgeführt werden. Die Suche nach Objekten, die mit „Wassermühle” indexiert sind, bezieht dann auch Objekte ein, die ein Teil des Ganzen sind, wie das „Mühlrad” in Beispiel 2.
Eine Suchausweitung für „Wassermühle” auf Objekte, die mit „Rad” (Beispiel 1) verschlagwortet sind, würde zu vielen unerwünschten Ergebnissen (Informationsballast) führen. In der Gemeinsamen Normdatei (GND) zum Beispiel hat „Rad” elf direkte Unterbegriffe, unter anderen „Mühlrad”. Allein das Einbeziehen der mit „Rad” erschlossenen Dokumente würde zu 72 unerwünschten Ergebnissen führen.
Zusammenfassung
Eine partitive Relation ist ein qualifizierter Typ einer Hierarchierelation zwischen Allgemeinbegriffen.
Es ist eine Relation zwischen einem Ganzen und seinen Bestandteilen, wobei der Teil notwendig und einzigartig für das Ganze ist.
Die Relation ist transitiv.
Im Information Retrieval führt eine automatische Suchausweitung über den Teilbegriff zu präzisen Ergebnissen.
Siehe auch
Quellen
ANHANG