3.1.2 Kategorie (In Bearbeitung)

 

1 Definition

Eine Kategorie wird hier verstanden als Vokabularelement zur Gruppierung von Thesaurusbegriffen unter thematischen oder anwenderspezifischen Gesichtspunkten. Begriffsgruppen werden meist nicht zur Indexierung verwendet.

2 Terminologie

Die Benennung "Kategorie" ist nicht eindeutig und insofern nicht unkritisch.1 Die Bezeichnung "category" hat sich in englischsprachiger Thesaurussoftware für systematisierende, klassifikatorische Elemente durchgesetzt. Im Deutschen sind die Begriffe "Sachgruppe" im Bibliotheksbereich oder "Sachsystematik" im Museumsbereich relativ gebräuchlich. ISO 25964-1 definiert ein Element "ConceptGroup" (Begriffsgruppe) (s. 16.2.17), unter das "Kategorie" subsumiert werden kann.

3 Erläuterung

Begriffsgruppen ordnen Thesaurusbegriffe unter thematischen, systematischen oder auch pragmatischen Aspekten. Diese Begriffsgruppen sind oft in Form einer Klassifikation aufgebaut und bilden gewöhnlich den systematischen Teil eines Thesaurus.

In der Praxis werden solche Begriffsgruppen unterschiedlich benannt und können “Sachgruppen”, “Mikrothesauri”, “Teilthesauri”, “Themen”, “Systematiken” oder “Fachgebiete” heißen. Aber auch sammlungsbezogene Gruppierungen oder andere pragmatische Zusammenstellungen können mit Hilfe von Kategorien gebildet werden.

3.1 Aufbau der Begriffsgruppen

Die Begriffsgruppen sind ähnlich strukturiert wie traditionelle Klassifikationen oder Bibliothekssystematiken.

  1. Begriffsgruppen können einander übergeordnet beziehungsweise untergeordnet sein.

  2. Die übergeordnete Begriffsgruppe schließt die untergeordnete Gruppe in ihrem Bedeutungsumfang vollständig ein.

  3. Die übergeordnete Begriffsgruppe sollte die Untergruppen möglichst explizit benennen.

  4. Begriffsgruppen werden immer vom Allgemeinen zum Spezifischen geordnet.

  5. Begriffsgruppen sollen sich möglichst nicht überschneiden.

Zu 1.
Die Überordnung beziehungsweise Unterordnung von Begriffsgruppen führt zu einer baumartigen Sicht. Diese hierarchische Struktur ist aber im Gegensatz zur Hierarchiebeziehung der Begriffe keine logische generische Beziehung.

zu 2.
Die untergeordnete Gruppe im folgenden Beispiel ist nicht vollständig in der übergeordneten Gruppe enthalten. Hausfrauen können Schüler sein, zum Beispiel in einer Volkshochschule. Damit die Ordnung als Untergruppe von Schüler aber zutrifft, müssten alle Hausfrauen Schüler sein.

1 Schüler
1.1 Hausfrau

zu 3.
Die übergeordnete Begriffsgruppe sollte die Untergruppen möglichst explizit benennen, damit Indexierer und Nutzer schnell erkennen können, welche Inhalte in der Gruppe abgedeckt sind.

2 Schrift, Buch, Presse
2.1 Schrift, Handschriftenkunde
2.2 Buchwissenschaft, Buchhandel
2.3 Presse2

zu 4.
Die Ordnung erfolgt immer vom Allgemeinen zum Spezifischen, das heißt die inhaltlich umfassendere Begriffgruppe bildet die übergeordnete Einheit, die thematisch engere Gruppe wird untergeordnet.

10 Wirtschaft, Verkehr, Umweltschutz, Raumordnung
10.1 Wirtschaftsgeschicht
10.1a Wirtschaftsgeschichte: Altertum
10.1b Wirtschaftsgeschichte: Mittelalter
10.1c Wirtschaftsgeschichte: Neuzeit3

zu 5.
Bei der Bildung von Begriffsgruppen sollte immer dasselbe Unterteilungsmerkmal zu Grunde gelegt werden, um Überschneidungen zu vermeiden. Überschneidungen führen dazu, dass die Zuordnung von Begriffen zu Gruppen nicht entscheidbar ist. Im folgenden Beispiel ist das Unterteilungsmerkmal für Gruppe 01 "nach Handlungsbereich", für 02 "nach Objektart". Landwirtschaftliche Geräte müssten sowohl bei 01 als auch bei 02 eingeordnet werden.

01 Landwirtschaft
02 Geräte

3.2 Notationen für Begriffsgruppen

Notationen sind die künstlichsprachlichen Bezeichnungen für die Themengruppen. Sie dienen der hierarchischen Gliederung und Bestimmung der Sortierreihenfolge der Themengruppen.

Die Notationen sind alphanumerisch und setzen sich zusammen aus:

  • drei Großbuchstaben als Kürzel für die entsprechende Einrichtung oder Anwendung, zum Beispiel "KLD" für "Kultur. Landschaft. Digital",

  • den Zahlen für die jeweilige Notationsstelle.

Die Zahlen bilden die hierarchische Gliederung der Themengruppen ab: Jede Ebene wird durch eine zweistellige Zahl wiedergegeben, gegebenenfalls wird eine führende Null ergänzt.

Beispiel
"08" steht in der Anwendung "Kultur. Landschaft. Digital" für die Themengruppe "Sport, Freizeit, Tourismus".

3.3 Zuordnung von Begriffen zu Begriffsgruppen

Begriffe werden einer oder mehreren Kategorien zugeordnet. Diese Beziehung der Zuordnung ist verschieden von der →Hierarchierelation zwischen Begriffen. Es ist keine logische Unterordnung wie bei einer Hierarchie, sondern vielmehr eine Art "Mitgliedschaft" in der Gruppe. In einer Begriffsgruppe können daher Begriffe aus verschiedenen Fundamentalkategorien bzw. Facetten gebündelt werden, zum Beispiel aus der Facette der Objekte, der Materialien oder Akteure.

4 Beispiele

4.1. Thesaurus Ethik in den Biowissenschaften

Im Thesaurus Ethik in den Biowissenschaften (Bioethik-Thesaurus) ist der Begriff Pferd zwei Begriffsgruppen, "IV Biologie" und "XI Land- und Forstwirtschaft, Tierhaltung und Ernährung", zugeordnet. Im Bioethik-Thesaurus heißen die Begriffsgruppen "Sachgebiete". Der Begriff erscheint zwei Mal im Sachgebiet "Biologie", da er polyhierarchisch mit "Nutzvieh" und "Säugetier" verknüpft ist.

 

[2023-02-25]

4.2 Gemeinsame Normdatei

[2023-02-25]

Auch in der Gemeinsamen Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek ist der Deskiptor Pferd mit zwei Systematikstellen der GND-Systematik verbunden, nämlich "25.3 Spezielle Zoologie" und "32.6 Tierzucht, Tierhaltung".

Zusätzlich ist der Begriff zwei Klassen der Dewey Dezimalklassifikation zugeordnet:
636.1-636.8 Einzelne Arten von Haustieren und
592-599 Einzelne taxonomische Gruppen von Tieren

4.3. Standard-Thesaurus Wirtschaft

Im Standard-Thesaurus Wirtschaft ist der Deskriptor Pferd unter "P.01.03 Tiere" in der Thesaurus-Systematik der "P Produkte" zu finden.

 

5 Indexierung und Retrieval

Die Hierarchierelationen in einem Thesaurus können zu sehr vielen "Top Terms" führen, das sind Deskriptoren, die an der Spitze einer Hierarchieleiter stehen. In der Baumansicht erscheint dann eine lange Liste alphabetisch sortierter Einträge dieser Top Terms, die nicht schnell und einfach zu überblicken ist. Eine zusätzliche Gruppierung der Schlagwörter kann das Blättern im Vokabularbestand erleichtern.

Diese Gruppen dienen primär dem Auffinden der Schlagwörter unter einem sachlichen, thematischen Aspekt. In der Regel werden sie nicht zur Indexierung verwendet.

Die thematische Sicht bietet einen Sucheinstieg zum Blättern im Vokabular. Der Nutzer bekommt durch die Themengruppen einen schnellen Überblick über die inhaltlichen Schwerpunkte des Vokabulars und kann nach Schlagwörtern stöbern. Dieser Einstieg ist besonders geeignet für Nutzer, die sich grob orientieren möchten oder noch keine präzise Suchanfrage formulieren können.

Eine wichtige Rolle spielen die Themengruppen bei der Zusammenführung inhaltlich zusammenhängender Begriffe, die in der hierarchischen Ordnung getrennt sind. Zum Beispiel sind Geräte, Kleidungsstücke, Aktivitäten, Bauwerke oder Personen, die mit Religion und Kult zu tun haben, auf verschiedene Hierarchieleitern in der jeweiligen Facette verstreut. In einer systematischen Gruppe "Religion und Kult" können alle Schlagwörter dieses Begriffsfeldes gebündelt werden.

7 Zusammenfassung

8 Siehe auch

https://digicult.atlassian.net/wiki/spaces/XTREE/pages/3045621780

https://digicult.atlassian.net/wiki/spaces/XTREE/pages/3045818400

https://digicult.atlassian.net/wiki/spaces/XTREE/pages/3046473756

9 Quellen

1 Kategorien sind im allgemeinen Verständnis Allgemeinbegriffe eines sehr hohen Abstraktionsgrades. In Information und Dokumentation spricht man von Fundamentalkategorien (oder Basiskategorien), um sich auf grundlegende Unterteilungsmerkmale von Gegenständen zu beziehen.

2,3 Beispiele aus der Sachgruppensystematik der Schlagwortnormdatei